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Präanalytik MikrobiologieTeil 2
Urindiagnostik
MittelstrahlurinDamit die Erreger im Blasenurin möglichst hohe Keimzahlen erreichen (Abgrenzung gegen Kontaminanten), sollte die Urinentnahme frühestens 3-5 Stunden nach der letzten Miktion erfolgen; in der Regel ist dies der erste Morgenurin.
Beim Mann: Hände und Vorhaut mit Seife waschen. Vorhaut zurückziehen, Eichel mit milder Seifenlösung waschen, mit frischem Wasser spülen, mit sauberem Tupfer trocknen. Das 1. Urindrittel ablaufen lassen, dann, ohne den Harnstrahl zu unterbrechen, 10 - 20 ml in sterilem Gefäß auffangen.
Bei der Frau: Eventuell Hilfsperson erforderlich. Äußeres Genitale und den Damm gründlich mit Seife waschen, mit Wasser abspülen. Nach Spreizen der Labien Urethralmündung und Umgebung mit 3 feuchten sterilen Tupfern reinigen, mit einem vierten sterilen Tupfer trocknen. Weiteres Vorgehen wie beim Mann. KatheterurinMorgens, bzw. frühestens 3-5 Stunden nach der letzten Miktion. Wie beim Mittelstrahlurin gründliche Reinigung der Urethralmündung und Umgebung. 10-20 ml K-Urin in sterilem Gefäß auffangen. Wenn Dauerkatheter liegt (nur in Ausnahmefällen indiziert, z.B. bei alten Patienten oder Querschnittsgelähmten), Urin direkt aus dem (zuvor desinfizierten) Katheter, nicht aus dem Auffangbeutel entnehmen. PunktionsurinBlase muß gefüllt sein. Hautoberfläche der suprapubischen Punktionsstelle desinfizieren. 10-20 ml Urin entnehmen und in ein steriles Gefäß füllen. Blasenpunktionsurin besitzt den größten Ausssagewert. Unbedingt auf dem Anforderungsschein vermerken, da jede Keimzahl als diagnostisch signifikant anzusehen ist. Folgende Transportgefäße kommen in Frage:- Eintauchnährböden (z.B. Uricult®, Urotube®): Nährböden vollständig mit Urin benetzen. Bis zum Transport im Brutschrank lagern.
- Urinröhrchen mit Stabilisator (Bacteriostat für 10 ml Nativurin): Die Keimzahl bleibt ca. 48 Stunden konstant. Sollte weniger als 5 ml Urin zu gewinnen sein, bitte die Röhrchen bis zur 10-ml-Markierung mit steriler NaCl-Lösung auffüllen, da es durch eine zu hohe Konzentration des Konservierungsmittels evtl. zu einer Schädigung der Bakterien kommen kann. Dies muß auf dem Überweisungsschein vermerkt werden. Bis zum Transport bei 4-8 °C lagern.

StuhldiagnostikAllgemeine Vorbemerkungen: In der Regel sollten 2-3 Stuhlproben eingesandt werden, da hierdurch die Nachweisrate darmpathogener Erreger deutlich zunimmt. Es sollten 3-8 ml Stuhl (entspricht 2-3 Löffelchen) pro Probe eingeschickt werden. Bei der Anforderung "pathogene Keime" erfolgt bei uns routinemäßig die Anlage auf Salmonellen, Shigellen, Yersinien und Campylobacter. Bei bereits bekannten Salmonellenausscheidern bitte auf dem Überweisungsschein "Salmonellenkontrolle" oder "bekannte Salmonelle bzw. Shigelle etc." vermerken, es wird dann nur noch die entsprechende Anlage durchgeführt. Wenn Sie gezielt Verdacht auf eine Yersinieninfektion haben, bitte dies auf dem Anforderungsschein vermerken, es wird zusätzlich eine spezielle Anreicherungskultur angelegt. Bakterielle Erreger und deren ToxineSalmonellen Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium
Shigellen Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium. Bei längerem Transport ist die Anzüchtungsrate von Shigellen aus dem Transportmedium besser als im Nativstuhl
Yersinien Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium
Campylobacter sp. Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium
Enterohämorrhagische E.coli (EHEC), Verotoxin-Nachweis Nativstuhl im Stuhlröhrchen. Der Verotoxin-Nachweis erfolgt mittels EIA.
Dyspepsie-Coli/EPEC Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium. Bei Kindern bis zu 1 Jahr erfolgt die Anlage auf Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter, Dyspepsie-Coli und S. aureus.
Clostridium difficile Toxin Nativstuhl, gekühlt (2-8°C). Der Toxinnachweis erfolgt mittels EIA. Stuhl gekühlt einschicken, da das Toxin nur 48-72 Stunden haltbar ist. Der Ansatz erfolgt täglich.
Cholera (Vibrio cholerae) Stuhlabstrich (auch Rektalabstrich) im Transportmedium empfohlen, vorher im Labor anrufen.
Aeromonas, Plesiomonas (Vibrio spp., Pseudomonas spp.) Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium
Listeria monocytogenes Nativstuhl im Stuhlröhrchen, evtl. Stuhlabstrich im Amies-Transportmedium
S. aureus Bei Nahrungsmittelvergiftungen mit entsprechend kontaminierten Speisen gelingt die Anzüchtung dieser Erreger aus dem Stuhl seltener. Nahrungsmittelproben oder Erbrochenes sind zum Nachweis der Erreger und deren Toxine besser geeignet. Virale ErregerRota-Virus Der Virusnachweis erfolgt mit einem EIA/Antigennachweis
Adeno-Virus Der Virusnachweis erfolgt mit einem EIA/Antigennachweis
Noro-Virus (ehemals Norwalk-Virus) Der Virusnachweis erfolgt mit einem EIA/Antigennachweis 
ParasitenWürmer/Wurmeier Nativstuhl, da ein Anreicherungsverfahren (MIF) durchgeführt wird, oder Stuhl in SAFMedium. DiesesMedium wirkt konservierend.
Lamblien/Amöben Nativstuhl. Jeweils Durchführung eines EIAs zusätzlich zur mikroskopischen Untersuchung mittels spezieller Färbungen. 
PilzeNativstuhl 
Tuberkulose / MykobakteriosenAufgrund der zum Teil sehr variablen Keimzahl im Untersuchungsmaterial sollten - wenn irgend möglich - mindestens 3 Proben von drei verschiedenen Tagen untersucht werden. Sputum, Trachealsekret, BronchialsekretMindestens 2 ml nativ im Sputumröhrchen für die TBC-Diagnostik einschicken. Zur besseren Aussagefähigkeit und Diagnosesicherung 3 x Morgensputum bei Verdacht auf eine frische Infektion einsenden. Den Mund vorher mit abgekochtem Wasser oder Tee spülen. Kein frisches Leitungswasser nehmen, da viele Wasserproben mit M.xenopi oder M.gordonae kontaminiert sind. Eiter, WundabstricheSoviel Eiter wie möglich abnehmen und nativ einschicken. Notfalls können auch Wundabstriche im Amies-Transportmedium eingeschickt werden. GewebeIm sterilen Röhrchen nativ einschicken, mit etwas steriler 0,9%iger NaCl-Lösung (1 ml) befeuchten. Punktate (Pleura, Pericard, Liquor, Gelenke)Unbedingt nativ in einem sterilen Röhrchen einschicken, nicht in Blutkulturflaschen einimpfen. Urin3 x Morgenurin 30 - 50 ml einschicken, 1. Portion, kein Mittelstrahlurin MagensaftMagensaft ist nur nötig, wenn kein Sputum gewonnen werden kann. Dazu bei uns Spezialröhrchen anfordern, damit die Magensäure abgepuffert wird. SepsisverdachtBei HIV-Patienten (M.avium, M.tuberculosis) 5-10 ml EDTA-Blut oder Citrat-Blut abnehmen und in der Spritze (ohne Kanüle) verschicken, nicht in eine Blutkulturflasche einspritzen. Unbedingt im Fieberanstieg/Fieberschub abnehmen. Dieses Vorgehen ist auch beim seltenen Verdacht einer M.tuberculosis-Generalisation bei immunkompetenten Patienten geeignet. Aus allen Materialien kann neben der kulturellen Anlage auch eine PCR gemacht werden. Blut bei Raumtemperatur oder im Brutschrank lagern, alle anderen TBC-Materialien bei 4 - 8 °C bis zum Transport lagern. 
AntibiogrammeAllgemeine Hinweise: Empfindlichkeitsprüfungen sind erforderlich bei Infektionen mit Staphylokokken, Enterokokken, Enterobakterien, Pseudomonaden und anderen Nonfermentern sowie bei Mykobakterien. Besonders wichtig sind diese Prüfungen bei Sepsis, Meningitis, Endokarditis und Osteomyelitis, bei nosokomialen und chronischen Infektionen, bei Erregerwechsel unter der Therapie sowie bei ausbleibendem Therapieerfolg. Die Erstellung des Antibiogramms erfolgt als quantitative Mikrodilutionsmethode oder als Agardiffusionstest. Zur klinischen Interpretation wird die ermittelte MHK dem mikrobiologischen Wirkprofil, der Kinetik, Toxikologie und klinischen Wirksamkeit des Antibiotikums gegenübergestellt. Daraus ergibt sich die Eingruppierung in Empfindlichkeitsbereiche (nach DIN 58940) - sensibel = empfindlich: Therapieerfolg zu erwarten mit üblicher Dosierung bei geeigneter Indikation
- intermediär = mäßig empfindlich: Therapieerfolg nur bedingt zu erwarten unter Berücksichtigung spezieller Kriterien (Infektionslokalisation, medizinisch vertretbare Höchstdosierung u.a.)
- resistent = unempfindlich: Therapieerfolg nicht zu erwarten, auch nicht mit zugelassener Höchstdosierung.

Nachfolgend die von uns getesteten Antibiotika bei den verschiedenen Erregergruppen:| grampositive Keime | Enterobacteriaceae/ Pseudomonaden u. a. Nonfermenter | Handelspräparate* | | | Amikacin | Biklin | | Ampicillin | Ampicillin | Binotal u. a. Präp | | Cefazolin | Cefazolin | Gramaxin u. a. Präp. | | | Cefpodoxim | Orelox, Podomexef | | | Ceftazidim | Fortum | | | Ceftriaxon | Rocephin | | | Cefuroxim | Zinacef u. a. Präp. | | Ciprofloxacin | Ciprofloxacin | Ciprobay | | Clindamycin | | Sobelin | | Cotrimoxazol | Cotrimoxazol | versch. Präp. | | Erythromycin | | versch. Präp. | | Fosfomycin | Fosfomycin | Fosfocin | | Gentamicin | Gentamicin | Refobacin u. a. Präp. | | Imipenem | Imipenem | Zienam | | Levofloxacin | Levofloxacin | Tavanic | | Meropenem | Meropenem | Meronem | | | Mezlocillin | Baypen | | Oxacillin | | Stapenor | | Penicillin G | | versch. Präp. | | | Piperacillin | Pipril | | | Tazobactam/Piperacillin | Tazobac | | Tetracyclin | Tetracyclin | versch. Präp. | | | Tobramycin | Gernebcin | | Sulbactam/Ampicillin | Sulbactam/Ampicillin | Unacid | | Vancomycin | | Vancomycin |

Antibiotika in der Urindiagnostik | Handelspräparate* | | Ampicillin | Binotal u. a. Präp. | | Cefixim | Cephoral u. a. Präp. | | Cefpodoxim | Orelox, Podomexef | | Ceftriaxon | Rocephin | | Cefuroxim | Zinacef u. a. Präp. | | Ciprofloxacin | Ciprobay | | Cotrimoxazol | versch. Präp. | | Gentamicin | Refobacin u. a. Präp. | | Levofloxacin | Tavanic | | Mezlocillin | Baypen | | Nitrofurantoin | Furadantin u. a. Präp. | | Piperacillin | Pipril | | Sulbactam/Ampicillin | Unacid | | Tazobactam/Piperacillin | Tazobac | | Tetracyclin | versch. Präp. |
* Der Verzicht auf die Ausweisung von Markenzeichen bedeutet nicht, dass diese nicht geschützt sind. 
Austestung spezieller ResistenzmechanismenBeta-Laktamase bei Staphylokokken, Hämophilus spp. und Moraxella spp. Es wird getestet, ob ein Isolat eine Beta-Laktamase produziert. Die Penicilline Penicillin, Ampicillin, Mezlocillin und Piperacillin werden durch diese Beta-Laktamasen unwirksam gemacht.
Beta-Laktamasen mit erweiterem Spektrum (ESBL/AmpC) Diese Resistenzmechanismen beinhalten eine Resistenz von Penicillinen einschließlich ihrer Inhibitor-Derivate und aller therapeutisch einsetzbaren Cephalosporine. Diese Resistenzmechanismen werden bei E.coli, Klebsiella spp., aber auch bei anderen gramnegativen Stäbchen gefunden. Wir benutzen spezielle Methoden, um diese Resistenzen zu detektieren.
Oxacillin-Resistenz von Staphylokokken Durch Veränderung des Penicillin-Bindeproteins PBP-2 zu PBP 2a (gesteuert durch das mecA-Gen), wird eine verminderte Affinität zu Oxacillin eingeleitet. Diese Resistenz beinhaltet ebenfalls eine Resistenz gegenüber allen Beta-Laktam-Antibiotika. Wir verwenden stets zwei Methoden zur Detektion; bei Zweifelsfällen finden zusätzliche Untersuchungen Anwendung.
Vancomycin Resistenz von Enterokokken Durch zwei Methoden wird dieser Resistenzmechanismus abgeklärt. 
Lagerung von Untersuchungsmaterialien bis zur Abholung:
| | Kühlschrank | Raumtemperatur | Brutschrank | | Abstrich im Transportmedium | | + | | | Tracheal-, Bronchialsekret | + | | | | Bronchial-Lavagen | + | | | | Sputum | + | | | | Blutkulturen | | + | | | Liquor in Blutkulturflasche | | | + "vorbebrütet" auf Flasche schreiben | | Uricult | | | + | | Urin | + | | | | Stuhl: path. Keime + Viren | + | | |

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